Rätsel Hund...

Ich mache mir nichts vor, es ist nicht alles Sonnenschein. Gestern haben Meike und ich mit Izmos einen schönen langen Schneespaziergang gemacht. Mit der Schleppleine durch Wald und Flur. An einer Stelle am Feldrand hatten wir leider zu spät den Stacheldraht entdeckt. Ich weiß nicht, ob Izmos durchgelaufen ist, es wäre durchaus möglich... Aber ich konnte bei der oberflächlichen Betrachtung keine Wunde erkennen.

Als ich dann meine Gute-Nacht-Runde mit ihm drehen wollte, habe ich ihn wohl leicht auf den Fuß getreten, als er mir beim Schuhezubinden um die Beine wedelte. Da hat er mich angeknurrt und ich gebe offen zu, das hat mich sehr irritiert und ich habe in meiner Bewegung direkt innegehalten. War anscheinend ein Fehler... Ich habe dann ca. 10 Sekunden total doof da auf der Schuhbank gesessen, Izmos knurrend, erstarrt zwischen meinen Beinen, ich ein Fuß auf dem Boden stehend, der "böse" Tret-Fuß seltsam in der Luft... Ich wußte in dem Moment weder vor noch zurück... Glücklicherweise lag das Geschirr neben mir im Korb, so dass ich dann die Situation beendete, in dem ich es in die Hand nahm und während dieser Bewegung mich aus der Starre löste. Ich ließ Izmos dann absitzen um ihm das Geschirr umzulegen (machen wir immer so) und wollte ihm zur Belohnung ein Leckerli geben. Das hat er nicht genommen!

Ohnehin ist Izmos abends oft ganz verändert. Wir können uns das nicht ganz erklären. Anfangs fiel es auch nicht auf. Aber gestern und vorgestern durften die Kinder noch länger Fernsehen. In der Woche sind sie immer gegen 20.00 oben, dann ist hier im Wohnzimmer Ruhe angesagt. Bislang lagen Izmos und ich dann immer gemeinsam auf dem Sofa, entweder habe ich gelesen oder ferngesehen. Wenn Thomas da war, dann war es auch kein Problem für Izmos, wenn wir zu dritt auf dem Sofa lagen. Aber jetzt am Wochenende war Izmos ob der Situation wohl ziemlich verwirrt.
Die Kids wollten am Freitagabend einen Film sehen, der mich nicht so sehr interessierte, also lag ich nicht auf dem Sofa sondern saß am Eßtisch am Laptop und surfte so durch diverse Hundezubehörseiten. Als Izmos die Situation realisierte, knurrte er und suchte sich auf dem Sofa (es ist ein großes Eck-Sofa, eher eine Wohnlandschaft, genug Platz also) ganz in der Ecke einen Platz und setzte einen Rühr-mich-nicht-an-Blick auf. Als die Kinder im Bett waren und ich mich aufs Sofa legte, kam er schließlich und kuschelte sich neben mich.

Gestern haben die Kids und ich dann gemeinsam einen Film gesehen. Izmos war zwar wieder etwas verwirrt, legte sich dann aber zu mir - an die von den Kindern abgewandte Seite. Nach unserem Gute-Nacht-Gang, als die Kinder dann im Bett waren, legte er sich nicht neben mich sondern auf sein Kissen, welches er sonst eigentlich kaum benutzt. Das hat mich dann doch irgendwie ein bissi verletzt, vor allem in Anbetracht der Knurrattacke vorher. Beim Spaziergang war Izmos wieder wie immer. Lieb, hört auf "hier" und "komm", sitzt am Straßenrand ab, wenn ich es verlange, nimmt Leckerlis... Rätsel Hund...

Es ist schon auffällig, dass Izmos bei Dunkelheit (bzw. elektrischem Licht) im Haus oft sehr komisch auf Menschen reagiert. Als wäre ihm das alles unheimlich. Draußen dagegen ist Dunkelheit kein Problem. Sowieso ist Izmos draußen ganz anders als im Haus. Sein orangefarbenes Quietschebällchen liebt er hier im Haus, draußen würdigt er es keines Blickes. Er fängt es zwar auf, läßt es dann aber sofort wieder fallen und geht ohne weiter (Frauchen darf es tragen). Wenn er mit anderen Hunden jagt, dann allerdings ist Spielzeug toll - vor allem das Spielzeug der anderen Hunde. Am Freitag Nachmittag hat Izmos mit Ronja auf dem Firmengelände von Dülmer rumgetobt. Das hat er wirklich genossen und teilweise ließ er sich auch schon von mir abrufen. Da war ich schon etwas stolz. Aber er hatte ja in Ronja auch ein gutes Vorbild. Sie hört verläßlich auf Hannas Wort.

Aber dass Izmos mich angeknurrt hat, steckt mir doch noch ein wenig in den Knochen... Als ich dann heute morgen aufgestanden bin, war mir schon sehr komisch zumute... Er hat sich zwar wieder gefreut, mich zu sehen, aber war doch irgendwie etwas zurückhaltend und hat, als ich ihn streicheln wollte, wieder leise gegrollt. Ich konnte jetzt nicht erkennen, dass er Angst hat, ansonsten war sein Schwanz beim Knurren eingezogen, diesmal nicht. Also habe ich das auch nicht durchgehen lassen, sondern laut ermahnend "Na" gesagt und bin in die Küche gegangen. Dort habe ich ihn erstmal zwei Minuten ignoriert. Als ich ihn dann herrief und absitzen ließ, hat er das zwar alles gemacht, wollte aber kein Leckerli! Ich hielt es ihm vor die Nase, ja habe es ihm quasi fast ins Maul gesteckt - keine Chance, er zuckte nichtmals mir der Wimper. Also ließ ich das Leckerli fallen, da hat er es genommen. Ob das so jetzt richtig war - keine Ahnung. Ich habe mich jetzt schon viel durch Bücher und durchs Netz gelesen, der eine sagt so, der andere sagt anders...
Ich habe mir schon gedacht, vielleicht habe ich sein Anknurren auch selbstgemacht. Ich habe ihm bislang, wenn er aus Angst (eingezogener Schwanz) geknurrt hat, ob nun wegen Timo oder irgendwelcher Situationen draußen, immer leise gut zugeredet und mit Leckerlis abgelenkt. Ich denke auch, dass es was bewirkt hat. Zumindest knurrt und bellt er jetzt nicht mehr jeden Spaziergänger an, der uns entgegen kommt und ignoriert auch andere Hunde bestmöglich. Aber möglicherweise hat er verknüpft, dass ich knurren "fein" finde. Das war so natürlich nicht gedacht. Da werde ich jetrzt gegensteuern. Sobald ich merke, dass es kein Angstknurren ist, werde ich konsequent sein, energisch "Na" sagen und mich umdrehen und ihn kurz ignorieren.
Ich gebe zu, ich war die letzte Woche auch nicht so konsequent zu ihm, er sollte erstmal ankommen, sich an alles gewöhnen. Er gab mir auch nicht das Gefühl, dass er meine Inkonsequenz (naja, so schlimm war es auch nicht), irgendwie ausnutzt. Aber ich habe jetzt doch gemerkt, dass er, obwohl er im Grunde ein ganz lieber ist, doch eine etwas energische Hand braucht und man ihm desöfteren zeigen muß, wer der Boss ist. Gespielt wird nur, wenn ich das will. Und Futter bekommt er nach wie vor aus der Hand - entweder von mir oder von den Kindern.

Beim Spaziergang heute war er dann auch wieder ganz normal. Obwohl mir ziemlich unbehaglich zumute war. Einzig auffallend war, dass Izmos seine linke Pfote desöfteren hob. Vor allem, wenn ich ihn absitzen ließ. Ich weiß jetzt nicht, ob es nur Beschwichtigung war oder ob er sich vielleicht doch gestern am Stacheldraht verletzt hat. Ich kann an der Pfote aber nichts feststellen, auch auf leichten Druck reagiert Izmos nicht...

Wenn er mit der Knurrerei nicht aufhört, werde ich morgen mit ihm zum Tierarzt gehen. Unseren ersten Tierarztbesuch haben wir schon hinter uns. Die Tierärztin ist fußläufig von hier entfernt, sehr praktisch. Dennoch war dies der letzte Besuch, denn - obwohl sie unser Kaninchen sonst gut behandelt hat - war sie mir nun total unsympatisch. Sie hat beim Studieren von Izmos Impfpaß ständig arrogant den Kopf geschüttelt, sich überhaupt nicht für die Ergebnisse der Blutuntersuchung interessiert und wollte mich aufklären, dass Magyar Vizslas "ja eigentlich von seriösen Züchtern nur in Jägerhände abgegeben werden" und ob ich ihn "jagdlich führen wolle". Als sie erfuhr, dass er aus Ungarn kommt, war sie entsetzt, konnte mir nicht glauben, als ich von "schlechter Haltung in Ungarn" sprach, ihrer Meinung nach würden die Ungarn ihre Vizslas verehren. Außerdem sagte sie noch" eigentlich wollen wir die ganzen Hunde aus dem Ausland gar nicht hier haben, denn die schleppen die ganzen schlimmen Krankheiten ein - aber gut, nun bist du schon mal da..." Ja, gehts noch? Jedem seine Meinung, aber immerhin bin ich Kundin, die für diese Behandlung bezahlt. Da kann eine promovierte Tierärztin ihre Meinung etwas gepflegter an den Mann bringen... In Lingen gibt es eine gute Praxis, bei der wir früher immer mit unseren Katzen waren, dort werde ich dann ggf. morgen anrufen...

Thomas hat mich schon desöfteren - eher im Spaß - gefragt, ob ich es schon bereut habe, Izmos da zu haben. Weil ich ja nun viel Spazierengehen muß, frühmorgens um 6 und abends gegen 10 noch raus in die Kälte. Da konnte ich immer lachend verneinen. Aber - ganz ehrlich - heute morgen beim Spazierengehen, nachdem mich Izmos ja wieder angeknurrt hat, ja, da habe ich das erste mal ein ganz wenig gedacht, ich will das so nicht. Da ging mir ein wenig die Zuversicht und die Lust am Hund flöten... Ich bin eine extra große Runde gegangen. Erstens weil ich jetzt bewußt mal in eine für Izmos ungewohnte Richtung gegangen bin (ich bin der Boss, ich sage wo es lang geht) und zweitens war mir etwas mulmig, weil ich Angst hatte, Izmos knurrt zu Hause wieder die Kinder an...

So war es dann auch. Als wir reinkamen, stand Meike in der Wohnzimmertür und wollte Izmos begrüßen. Er fing aber sofort wieder an zu grollen und ich sagte ihr, sie soll ihn bitte ignorieren. Als er dann auch knurrte, als ich ihm sein Geschirr abmachen wollte, gab es meinerseits ein energisches "Na" - sein Schwanz war nämlich nicht eingezogen, so gehts ja nicht! Er saß dann auf der Fußmatte, das Gesicht zur Haustür. Augenscheinlich wollte er lieber wieder nach draußen. Ich kann nicht beschreiben was er ausstrahlte. Angst? Unsicherheit? 
Meike und ich frühstückten dann und ignorierten Izmos völlig. Schließlich kam er in die Küche und setzte sich zu uns. Er darf bei uns sein, wenn wir essen, wird dann aber völlig ignoriert. Er akzeptiert das auch und bettelt auch nicht. Ich merkte aber, wie sich die Luft wieder entspannte und Izmos wieder lockerer wurde. Er weiß anscheinend schon, dass er sein Futter bekommt, wenn wir fertig gegessen haben.
Meike fütterte einen Teil aus der Hand, den anderen Teil fütterte ich und alles war irgendwie wieder gut. Rätsel Hund...

Die nächste Hürde kam aber jetzt noch: Timo. Er war noch nicht aufgestanden, es war ja gerade erst 9 Uhr und Wochenende. Ich ging nach oben, Izmos schwanzwedelnd hinterher. Er ging suchend in Timos Zimmer. Die Jalousien waren noch heruntergelassen, aber das störte Izmos nicht. Leider war Timos Bett aber leer, denn die Kids hatten die Nacht bei mir im Bett geschlafen. Als Izmos Timo entdeckte, hat er sich so sehr gefreut, überhaupt nicht geknurrt, obwohl die Situation ja anders war als sonst und er Timo anfangs ja oft angeknurrt hatte. Da ist mir dann wirklich ein Stein vom Herzen gefallen. Anscheinend sind die beiden nun wirklich ein Herz und eine Seele.

Jetzt bin ich wieder ein wenig zuversichtlicher. Hanna hat mir  von einer Kollegin erzählt, die Hundetrainerin ist. Ich werde sie nächste Woche mal anrufen und sehen, ob wir dort in eine Gruppe können. Hoffentlich reißt das meinen Geldbeutel nicht völlig auseinander... Naja, aber wenn das Ergebnis letztlich positiv ist, dann lasse ich mir das gern einen gewissen Betrag kosten. Obwohl ich natürlich - alleinerziehend mir zwei Kids - auch keine Gelddruckmaschine im Keller hab - ich hab noch nicht mal einen Keller

Ja und jetzt liegt Izmos wieder entspannt auf dem Sofa eingerollt und schläft. Und ich darf ihn auch wieder streicheln. Rätsel Hund....

14.2.10 11:17

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